Der Weg zur Operation

Auch wenn Sie sich erst einmal nur informieren möchten, ob eine Operation für Sie überhaupt infrage kommt, sind Sie in unserer Sprechstunde richtig. Wir beraten Sie individuell zu den Möglichkeiten.

Oder haben Sie sich bereits entschieden und wollen mit der Vorbereitung der Operation beginnen? Gemeinsam legen wir in der Sprechstunde alle notwendigen Schritte bis zur Operation fest und informieren Sie ausführlich.

Schritt 1: Erstvorstellung in der chirurgischen Aidpositas-Sprechstunde

Voraussetzungen für die Operation und die Kostenübernahme

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, damit eine Operation angedacht werden kann und die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

Alter: Sie sind zwischen 18 und 65 Jahre alt.
Operation für Jugendliche oder auch über 65-Jährige sind grundsätzlich möglich, bedürfen aber einer Einzelfallabwägung: Vereinbaren Sie auch einen Termin bei uns, wenn Ihr Alter abweicht.

BMI (Body-Mass-Index):

Ihr Body-Mass-Index (BMI) liegt bei > 40 kg/m2.

oder

Ihr BMI liegt bei 35 kg/m2 oder darüber und Sie haben schon eine oder mehrere mit der Fettleibigkeit in Verbindung gesetzte Erkrankungen (zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe-Syndrom, Depressionen, Gelenkstörungen).

Berechnen Sie Ihren aktuellen BMI direkt auf unserer Seite.

Konservative Abnehmversuch
Die Antragsstellung für die Kostenübernahme der Operation durch die Krankenkasse ist nur dann möglich, wenn Sie nachweisen können, dass Sie bereits verschiedene Abnehmversuche unternommen haben.

Sie haben noch nicht mit Hilfe versucht abzunehmen? Wir bieten Ihnen bei uns im Haus die Möglichkeit, an einem Abnehmprogramm teilzunehmen.

Persönliche Bereitschaft zur Änderung des Lebensstils
Eine Operation allein bringt nicht automatisch eine langfristige Gewichtsabnahme mit sich. Zusätzlich muss der Lebensstil angepasst werden. Denn erst die Kombination aus gesunder bewusster Ernährung und viel Bewegung führt zu einem dauerhaften Erfolg. Eine Voraussetzung für eine Operation ist daher, dass Sie bereit sind, Ihre Lebensgewohnheiten und vor allem auch Essgewohnheiten dauerhaft umzustellen.

Sie erfüllen alle Voraussetzungen für die Operation? Dann vereinbaren Sie zeitnah einen Termin und wir beraten Sie gerne. Bitte denken Sie daran, alle notwendigen Unterlagen mitzubringen.

Schritt 2: Zusammentragen aller Befunde und multimodale Therapie

Ich habe mich für eine Operation entschieden – was muss ich jetzt tun?

Eine bariatrische Operation stellt eine große Veränderung im Leben dar und muss gut vorbereitet werden. In einem zeitlichen Rahmen von sechs Monaten bereiten Sie sich mit unserer Unterstützung darauf vor. Folgende Stationen beinhaltet die Vorbereitung:

Haus- und Fachärzte: Ausschluss hormoneller Ursachen und medizinischer Kontraindikationen

  • Ihr Hausarzt (oder ein Endokrinologe) schließt anhand einer Blutuntersuchung aus, dass hormonelle Ursachen der Grund für Ihr Übergewicht sind.
  • Es liegen keine medizinischen Kontraindikationen für eine Operation vor.
  • Gegebenenfalls fallen weitere Untersuchungen, zum Beispiel ein Schlaflabor oder ein Belastungs-EKG an.

Psychiater: Ausschluss Drogen- beziehungsweise Alkoholabusus und persönliche Bereitschaft

  • Ein Psychiater bescheinigt Ihnen, dass Sie in einer psychischen Verfassung für die Operation sind und bereit sind, Ihre Lebens- und Essgewohnheiten umzustellen
  • Der Psychiater attestiert Ihnen zudem, dass Sie nicht drogen- bzw. alkoholabhängig sind.

Multimodale Therapie
Die Antragstellung für die Kostenübernahme der Operation durch die Krankenkasse ist nur dann möglich, wenn Sie nachweisen können, dass Sie über mindestens sechs bis zwölf Monate versucht haben, Ihr Körpergewicht auf konservative Art zu senken. Sie brauchen einen Nachweis über:

Bei uns am EVK haben Sie in unserer Multimodalen Therapie oder im Optifast® 52-Programm die Möglichkeit, unter ärztlicher Aufsicht Gewicht zu reduzieren. Beide Wege werden von den Krankenkassen als Voraussetzung für die Operation anerkannt.

Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe
Sie haben nachweislich über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten eine Adipositas-Selbsthilfegruppe  aufgesucht. Dort haben Sie die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

Schritt 3: Antragstellung

Die Hürden für eine Operation sind sehr hoch, doch wenn Sie alle Voraussetzungen entsprechend den geltenden Leitlinien vorbereiten, steht der Operation nichts mehr im Wege.

Natürlich unterstützen wir Sie bei der Antragstellung. Wenn Sie alle Voraussetzungen für die Operation erfüllt haben und die Multimodale Therapie durchlaufen haben (oder ein vergleichbares Angebot) kommen Sie erneut zu uns in die Sprechstunde. Dann kümmern wir uns gemeinsam um die Antragstellung.

Ihre Krankenkasse leitet den Antrag an den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) weiter. Dieser entscheidet binnen sechs Wochen über die Kostenzusage.

Benötigte Unterlagen
Folgende Unterlagen benötigen Sie für die Antragstellung:

  • Antragsschreiben (von Ihnen selbst formuliert. Auf unserer Internetseite finden Sie ein Musteranschreiben zum Download)
  • Ein Schreiben vom Adipositas-Zentrum, in dem wir die Notwendigkeit der Operation hervorheben und bescheinigen, dass alle konservativen Behandlungen keinen ausreichenden Erfolg gebracht haben.
  • Stellungnahme eines Psychiaters
  • Stellungnahme zum Ausschluss hormoneller Ursachen (Blutwerte, abgenommen vom Hausarzt oder einem Endokrinologen)
  • Nachweis über eine mindestens sechs monatige Ernährungsberatung
  • Gegebenenfalls Nachweis über eine mindestens sechs monatige Verhaltenstherapie
  • Nachweis über eine mindestens sechs monatige Sporttherapie/ein Sportprogramm

Zur Dokumentation Ihrer sportlichen Aktivitäten sollten Sie ein Bewegungstagebuch möglichst ausführlich über einen Zeitraum von sechs Monaten führen. Zur Orientierung: Versuchen Sie zwei bis zweieinhalb Stunden pro Woche in Bewegung zu sein. Neben Sport können Sie auch Spaziergänge oder Ähnliches aufschreiben. Ganz wichtig: Lassen Sie sich so viel wie möglich bezeugen, z.B. vom Bademeister, dem Kursleiter des Sportkurses oder der Person, mit der Sie Sport machen. Sie können auch Belege (z. B. Eintrittskarten) sammeln.

  • Nachweis über die mindestens sechs monatige Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe
  • Alle relevanten Befunde, Blutwerte und Dokumente, die Auskunft über Ihre Krankengeschichte geben. Hier helfen wir Ihnen gerne bei der Auswahl.
  • Ein Ernährungsprotokoll über 14 Tage

Widerspruchsverfahren
Ich habe eine Absage der Kostenübernahme erhalten, was muss ich jetzt tun?

Leider kann es immer wieder zu einer Ablehnung der Krankenkassen kommen, auch wenn ein Antrag leitliniengerecht gestellt wurde und die Operation dringend medizinisch notwendig ist. Am besten kommen Sie mit der Ablehnung direkt zu uns, wir unterstützen Sie gern. Denn in diesem Fall gilt es schnell zu handeln und fristgerecht Widerspruch einzulegen.

Sollten Sie eine Ablehnung erhalten haben, schicken Sie bitte direkt einen Widerspruch an die Krankenkasse (per Einschreiben mit Rückschein). In diesem Schreiben geben Sie an, dass Sie dem Bescheid widersprechen und eine genaue Begründung nachreichen.

Liegen der Ablehnung keine genauen Gründe bei, fordern Sie in Ihrem Widerspruch eine aussagekräftige Begründung und das Gutachten des MDKs (falls Sie dort waren) an.

Den begründeten Widerspruch sollten Sie zeitnah nachreichen. In diesem Schreiben sollten alle nicht zutreffenden Fakten der Ablehnungsbegründung richtiggestellt werden und gegebenenfalls mit neuen Attesten/Bescheinigungen widerlegt werden.

Schritt 4: Vorbereitung der Operation

Planung der Operation
Ihr Antrag wurde bewilligt? Dann können wir jetzt mit der Planung Ihrer Operation beginnen. Vereinbaren Sie dazu direkt einen Termin in der Sprechstunde. Dort erhalten Sie alle notwendigen Informationen und werden über die Operation aufgeklärt. Auch die Termine für die Magenspiegelung und die Operation legen wir in der Regel dann fest.

Einige Tage vor der Operation wird eine Magenspiegelung durchgeführt, um auszuschließen, dass Sie eine Infektion des Magens haben. Diese wird sonst zunächst behandelt. Die Spiegelung kann ebenfalls im EVK durchgeführt werden.

Die Operation erfolgt in der Regel wenige Tage nach der Magenspiegelung. Soweit möglich berücksichtigen wir bei der Terminplanung Ihre Wünsche.

Vorbereitende Diät
Spätestens 10 bis 14 Tage vor Ihrer Operation beginnen Sie mit einer speziellen Flüssig-Diät. Diese dient dazu, Ihre Leber zu entlasten und dadurch das Risiko einer Operation zu senken. Zudem bereitet Sie die Diät auf die Flüssigphase nach der Operation vor.

Über alle relevanten Ernährungsthemen werden Sie von uns rechtzeitig informiert. Zudem  können Sie auf unseren Internetseiten alle Fragen rund um das Thema Ernährung und bariatrische Operation nachlesen.

Schritt 5: Stationärer Aufenthalt

In der Regel werden Sie am Tag vor der Operation stationär aufgenommen. An diesem Tag werden Sie erneut über die Operation aufgeklärt und erhalten die Aufklärung für die Narkose. Zudem werden - falls notwendig - noch Blutuntersuchungen durchgeführt.

Es folgt der Tag der Operation. An diesem Tag werden Sie operiert und danach auf ein Überwachungszimmer gebracht. Das Ziel ist, dass Sie schon an diesem Tag wieder aufstehen und einige Schritte gehen.

Möglichst früh beginnen Sie auch schon wieder damit kleine Mengen an Flüssigkeit zu trinken. Sobald Sie genug Flüssigkeit trinken und sich wieder eigenständig bewegen können, die Wunden gut verheilt sind, werden Sie aus dem Krankenhaus entlassen.

Von uns erhalten Sie noch Ernährungsempfehlungen und Informationen für den Kostaufbau nach der Operation.

Schritt 6: Nachsorge

Auch nach der Operation sind wir weiterhin für Sie da. Nach Ihrer Entlassung kommen Sie zu Kontrollterminen nach sechs Wochen, drei Monaten und sechs Monaten und zwölf Monaten und danach jährlich, immer in dem Monat, in dem Sie operiert wurden. Ebenso sind wir Ihr Ansprechpartner bei Komplikationen oder wenn die Gewichtsabnahme nicht wie gewünscht verläuft.

In dringenden Fällen sind wir darüber hinaus hier immer für Sie erreichbar.

Gemeinsam mit Ihrem Hausarzt begleiten wir Sie bei Ihrer Gewichtsabnahme. Wir stehen Ihnen bei Fragen rund um das Thema Ernährung, insbesondere Eiweiß- und Nährstoffversorgung, zur Verfügung. Bei Bedarf besprechen wir mit Ihnen nach einem Jahr die Möglichkeiten einer kosmetischen Operation und verweisen Sie an unsere Kooperationspartner.

Ihr Hausarzt sollte regelmäßig Ihre Blutwerte kontrollieren und gegebenenfalls Supplemente verordnen.