Ursachen und Entstehung

Die Entstehung von Adipositas hat meist mehrere Ursachen, die sich von Patient zu Patient unterschiedlich stark auswirken können. Gemeinsam ist allen Betroffenen, dass wir heute in Zeiten eines Überangebotes von Nahrung leben. Zeiten der Nahrungsknappheit gilt es in Deutschland in der Regel nicht mehr zu überstehen. Der Körper jedoch hat noch wie vor Jahrtausenden das Ziel, Fettdepots für schlechte Zeiten anzulegen, um Hungerperioden durchstehen zu können. Dieser evolutionäre Vorteil hat sich in den Zeiten des Wohlstandes zu einem Nachteil entwickelt.

Lebensstil

Zwar sind für Adipositas auch genetische Ursachen nachgewiesen, doch es ist vor allem der heutige Lebensstil, der zu einem raschen Anstieg der Adipositas in allen Industrieländern führt. Kurz gesagt: Wir essen zu viel und bewegen uns zu wenig. Dadurch ist der natürliche Regelkreislauf gestört.

Folgende Faktoren begünstigen eine Gewichtszunahme:

  • Genetische Ursachen (selten)
  • Bewegungsmangel (Autofahren, Fahrstuhl, Rolltreppen)
  • Sitzende Tätigkeiten
  • Wenig Bewegung, inaktive Freizeitgestaltung (Fernsehen, Computer)
  • Stress, Schlafmangel
  • Unregelmäßige, hektisch gegessene Mahlzeiten
  • Süßigkeiten, Süßspeisen
  • Süße und kalorienreiche Getränke (Cola, Bier)
  • Fastfood, fette Speisen (Chips, Pommes, Mayonnaise)
Psyche

Auch die Psyche spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Adipositas. So wird das Essverhalten auch ständig durch die Umwelt beeinflusst. Auf der einen Seite fordern Werbung und das Überangebot an Lebensmitteln immer wieder dazu auf, zu essen. Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Situationen, in denen man in geselliger Runde, gemeinsam, isst. Auch ein Essen aus Gewohnheit und Langeweile ist nicht selten. Aber auch Frust, Trauer und Stress können ein Gründe für zu große Nahrungsaufnahmen sein.

Kommt es zu Attacken mit unkontrollierter Aufnahme übergroßer Mengen weit über den Normalbedarf hinaus - manchmal auch nachts - handelt es sich oftmals um eine Essstörung. Solche Essattacken können sich mit Phasen von Nulldiäten abwechseln, weil sich die Patienten selbst unter Druck setzen und versuchen ihr Gewicht zu kontrollieren. Daraus entsteht oft ein Teufelskreis aus Diäten und unkontrolliertem Essen, aus dem Patienten häufig nicht ohne Hilfe aussteigen können.

Fehlende Sättigung

Wenn wir Nahrung zu uns nehmen nutzt der Körper die enthaltenen Nährstoffe um Energie zu gewinnen. Damit unsere Zufuhr von Nährstoffen unserem Bedarf entspricht, gibt es einen Regelkreis, das heißt unser Gehirn gibt uns Hunger- und Sättigungssignale. Das Sättigungsgefühl zeigt sich in einem Völlegefühl nach dem Essen. Dazu melden Rezeptoren im Magen dem Sättigungszentrum im Gehirn (Hypothalamus), wenn der Magen voll ist und sich dehnt. Dieses Gefühl haben wir aber erst, wenn der Magen bereits fast ganz voll ist, vorher haben wir nicht das Gefühl genug gegessen zu haben.

Dieses Zusammenspiel aus Hunger- und Sättigungsgefühlen kann leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Isst man häufig zu viel, kann die glatte Muskulatur des Magens ihre Elastizität verlieren. Das bedeutet, dass man immer mehr essen muss, bis die Rezeptoren dem Gehirn melden, dass der Magen voll ist und gedehnt wird. Auch eine zu schnelle Entleerung des Magens hat diesen Effekt. Beides sind Erklärungen dafür, warum stark übergewichtige Menschen beim Essen kein Sättigungsgefühl mehr verspüren und sehr große Mengen auf einmal essen können.

Der Jojo-Effekt

Der Jojo-Effekt bezeichnet die Gewichtsschwankungen, die durch den Wechsel zwischen Diäten und den normalen Essgewohnheiten entstehen.

Viele Reduktionsdiäten bedeuten für den Körper Stress. Der Stoffwechsel stellt sich auf den Hunger ein und versucht seine Reserven sparsam zu nutzen. In der Folge sinkt der Grundumsatz, also die Energie, die der Körper durch Nahrung aufnehmen muss. Wird dann nach einer Diät zu alten Essgewohnheiten zurückgekehrt, kommt es häufig zu weiteren Gewichtszunahmen, da der Körper seine Fettreserven für die nächste Hungerperiode füllt. In der Folge liegt das neue Endgewicht oftmals über dem Ausgangsgewicht vor dem Abnehmversuch. Der Stress einer Diät führt zudem zu einer Hemmung des Stoffwechsels über das Stresshormon Cortisol und verstärkt somit den Jo-Jo-Effekt.

Um einen Jo-Jo-Effekt zu vermeiden, sollten Ernährungsumstellungen auf Dauer erfolgen. Bei einer ausgewogenen, gesunden Ernährung dauern Abnehmerfolge zwar in der Regel etwas länger, jedoch ist es meist problemlos möglich, das neue Gewicht dauerhaft zu halten. Ergänzend hilft Ausdauersport zusätzlich Kalorien zu verbrennen und das Gewicht zu halten, Kraftsport bremst den Abbau der Muskulatur beim Abnehmen. Entspannungsmethoden erhöhen die Erfolge bei einer langfristigen Gewichtsabnahme.